Die groben Inhalte waren bereits letzte
Woche bekannt und sind von uns kommentiert worden.
Gestern wurden nun die Details
seitens des SPD Senats vorgestellt.
Die Auswirkungen dieses ausgedealten
Vertrags hinsichtlich der Moorburgtrasse lassen sich in einem Satz
zusammenfassen:
Die Moorburgtrasse ist zum 2. Mal gestoppt, jedoch noch nicht endgültig verhindert.
Die Moorburgtrasse ist zum 2. Mal gestoppt, jedoch noch nicht endgültig verhindert.
Als aufmerksame ZuhörerInnen und
gleichzeitige LeserInnen der vor Ort verteilten Unterlagen zum Inhalt
fiel den anwesenden Initiativen-VertreterInnen anders als den
merklich unkritischen anwesenden Journalisten ein entscheidender
Gegensatz zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort hinsichtlich
der Moorburgtrasse auf.
Laut mündlicher Aussage von Scholz während der Pressekonferenz sei
die Trasse vom Tisch, stattdessen solle entweder am Standort
Stellingen oder Wedel ein sog. „Innovationskraftwerk“ (d.h. ein
GuD-Kraftwerk inkl. Speichermöglichkeit) gebaut werden. Dieses GuD
ist denn auch das „Herzstück“ der Vereinbarung zwischen Senat
und Vattenfall, was die Fernwärme angeht.
In den verteilten schriftlichen
Unterlagen zum Vertrag steht jedoch wörtlich:
„Vattenfall wird Baumaßnahmen zur Herstellung der Fernwärmetrasse Moorburg-Altona unterlassen, bis die Gesellschafter [...] eine Entscheidung über den Bau eines Innovationskraftwerks zum Ersatz des HKW Wedel getroffen haben.Heißt also: Tatsächlich entschieden ist noch gar nichts! Und wann entschieden werden soll, steht dort auch nicht. Bis dahin ruhen quasi die Baumaßnahmen ... Baumaßnahmen, die es aber noch gar nicht gibt und die in jedem Fall erst anfangen könnten, wenn die Planfeststellung positiv ausfällt = die Trasse genehmigt wurde! Hier wird also schon einem Planfeststellungsbeschluß vorweg gegriffen.
Deshalb heißt es auch konsequent im nächsten Satz:
Es besteht zwischen den Vertragsparteien [das sind die Stadt HH und Vattenfall] Einvernehmen, dass das laufende Planfeststellungsverfahren für die Fernwärmetrasse Moorburg-Altona zur Sicherung der Fernwärmeversorgung in Hamburg zunächst weitergeführt wird.“
Zusätzlich steht in der von Vattenfall verteilten Pressemitteilung der Satz:
„Sollte das Innovationskraftwerk einer weiteren Wirtschaftlichkeitsüberprüfung Stand halten, wird Vattenfall zudem auf den Bau der Fernwärmeleitung vom Kraftwerk Moorburg verzichten. Damit greift Vattenfall eine zentrale Forderung der Umweltverbände auf. Um die Fernwärmeversorgung nach 2017 in jedem Fall sicherzustellen, wird Vattenfall das Planfeststellungsverfahren weiterführen.“
Festzustellen ist:
Richtig ist, die Umweltverbände fordern den Verzicht auf die Moorburgtrasse.
Falsch ist: die Umweltverbände fordern ein neues fossiles Großkraftwerk, wie es das jetzt geplante GuD darstellt.
Richtig ist: Ein GuD Kraftwerk forderten die Umweltverbände und unabhängigen Sachverständigen seinerzeit STATT des Baus des KoKW Moorburg ... jetzt wollen es Vattenfall und SPD-Senat ZUSÄTZLICH zum KoKW Moorburg "in jedem Fall" bauen.
Richtig ist, die Umweltverbände fordern den Verzicht auf die Moorburgtrasse.
Falsch ist: die Umweltverbände fordern ein neues fossiles Großkraftwerk, wie es das jetzt geplante GuD darstellt.
Richtig ist: Ein GuD Kraftwerk forderten die Umweltverbände und unabhängigen Sachverständigen seinerzeit STATT des Baus des KoKW Moorburg ... jetzt wollen es Vattenfall und SPD-Senat ZUSÄTZLICH zum KoKW Moorburg "in jedem Fall" bauen.
Was denn genau „in jedem Fall“
bedeutet, erklärte dann Frau BSU Senatorin Blankau auf kritische
Nachfrage ganz frei heraus:
„Wenn der Volksentscheid zu „unser Hamburg, unser Netz“ erfolgreich ist, d.h. sich die HamburgerInnen für eine 100% Rekommunalisierung der Energienetze aussprechen, dann sind alle Vereinbarungen mit Vattenfall hinfällig, wird kein GuD gebaut und dann brauchen wir auch die Fernwärmetrasse“.
„Wenn der Volksentscheid zu „unser Hamburg, unser Netz“ erfolgreich ist, d.h. sich die HamburgerInnen für eine 100% Rekommunalisierung der Energienetze aussprechen, dann sind alle Vereinbarungen mit Vattenfall hinfällig, wird kein GuD gebaut und dann brauchen wir auch die Fernwärmetrasse“.
Und was sie nicht sagte, aber klar herauszuhören war: für diesen
Fall hat Vattenfall dann schon den Planfeststellungsbeschluß in der Tasche.
Denn die
eigentlich zuständige "objektive" BSU unter der Senatorin Blankau wird nicht die gesetzlich vorgesehene kritische Instanz
sein, die das Planfeststellungsverfahren ergebnisoffen führt und die
Genehmigung verweigert und damit die jetzt ausgedealte Vereinbarung
stört.
Für Vattenfall hängt die
Wirtschaftlichkeit des GuD nämlich direkt an dem Fernwärmemonopol,
das der Senat Vattenfall mit dem ausgedealten Vertrag auf ewig (!)
zuschreibt. Denn tatsächlich gibt es in diesem neuen Vertrag
keinerlei Endschaftsregelung mehr. Stattdessen steht sogar explizit
aufgeführt, daß Vattenfall keine anderen Versorger in „sein“
Fernwärmenetz einspeisen lassen muß.
Ein erfolgreicher Volksentscheid (VE)
zu „unser Hamburg, unser Netz“ soll aber u.a. genau dieses
Vattenfall Monopol aufbrechen und für Wettbewerb um die besten
Erzeugungsarten der Fernwärme sorgen. Das heißt im Umkehrschluß:
im Falle eines erfolgreichen VE baut Vattenfall das GuD nicht. Für
diesen Fall haben sowohl Scholz auch auch Blankau im Gespräch mit
Vertretern der Initiative nach der Pressekonferenz betont, erachten
sie die Moorburgtrasse für die Versorgung der HamburgerInnen als
notwendig.
Deshalb führt Vattenfall auch das
Planfeststellungsverfahren weiter.
Damit machen sie deutlich, welche
Erpressung hier stattfindet.
Erpresst werden die HamburgerInnen: entweder erfolgreicher Volksentscheid und dann kommt die Moorburgtrasse oder Scholz-Konstrukt mit GuD und keine Trasse. Explizit soll damit auch die Initiative die Initiative „Moorburgtrasse stoppen“ aus dem Bündnis der Volksinitiative „unser Hamburg, unser Netz“ herausgelockt werden.
Erpresst werden die HamburgerInnen: entweder erfolgreicher Volksentscheid und dann kommt die Moorburgtrasse oder Scholz-Konstrukt mit GuD und keine Trasse. Explizit soll damit auch die Initiative die Initiative „Moorburgtrasse stoppen“ aus dem Bündnis der Volksinitiative „unser Hamburg, unser Netz“ herausgelockt werden.
Wie mehrmals gestern bei der
Pressekonferenz betont und wie obenstehend im Detail beschrieben
steht nämlich die gesamte Vereinbarung zwischen Senat und Vattenfall (Strom und Fernwärme) und Eon
(Gas und Fernwärme) unter dem Vorbehalt des Volksentscheids.
Ist dieser erfolgreich, dann ist die
Moorburgtrasse sowohl seitens Vattenfall als auch seitens des SPD Senats
(rein faktisch) wieder auf dem Tisch.*
*ebenso faktisch werden wir den Bau der Trasse gegen einen erfolgreichen VE natürlich niemals akzeptieren!
*ebenso faktisch werden wir den Bau der Trasse gegen einen erfolgreichen VE natürlich niemals akzeptieren!
Die BSU hat sich als unabhängige
Instanz selber aus dem Verfahren genommen, weil sie mit einer
Ablehung der Planfeststellung die eigenen Verträge mit
Vattenfall verhindern würde. Ganz offensichtlich ist die BSU in
diesem Fall befangen.
Genau diesen Punkt werden wir von der
Initiative zusammen mit unseren Partnern im Wiederstand gegen die Trasse sehr genau prüfen. Wir
sehen hier einen möglichen Ansatzpunkt für eine Anfechtung einer
erteilten Planfeststellung.
Fazit:
ein echtes Umdenken seitens des SPD-Senats hinsichtlich der Trasse hätte spätestens jetzt zu einem Stopp der Planfeststellung geführt.
ein echtes Umdenken seitens des SPD-Senats hinsichtlich der Trasse hätte spätestens jetzt zu einem Stopp der Planfeststellung geführt.
Daß dieser Stopp explizit nicht
vorgesehen ist, macht deutlich, daß für die herrschende SPD in
Hamburg die Moorburgtrasse jetzt Verhandlungsmasse im Machtspiel um
die Energienetze ist und als Drohkulisse gegen die Volksinitiative
mißbraucht wird.
Die Sorgen der Menschen wegen der
jahrelangen Megabaustelle spielen für diese Politiker keine Rolle.
Ausdruck dieser Haltung ist die Farce
von einem Erörterungsverfahren, das vom 18.-23.11. stattfand. Etliche AnwohnerInnen haben sich
gemeinsam mit den InitiativenvertreterInnen tagelang Zeit und das
ganze Verfahren ernst genommen, um ihre Einwendungen detailliert vor
Vertretern von BSU und Vattenfall vorzutragen. Während (wie jetzt
bekannt ist) im Hintergrund bereits der Deal zwischen Senat und
Vattenfall abgeschlossen wurde, bei dem Sachargumente hinsichtlich
Bau oder Umweltschutz keinerlei Rolle spielen.
ABER:
Wir feiern trotzdem! (Ort und Zeit
geben wir noch bekannt).
Denn zweifelsohne stellt diese neue Entwicklung einen Meilenstein auf dem Weg hin zur endgültigen Verhinderung der Moorburgtrasse dar und bis zum VE in 2013 gibt es einen neuen Baustopp!
Außerdem stellen wir klar:- Wir HamburgerInnen lassen uns nicht erpressen.
- Wir fordern die Ablehnung der Planfeststellung zur Moorburgtrasse.
- Ein erfolgreicher Volksentscheid zu „unser Hamburg, unser Netz“ wird auch der Ausdruck dafür sein, daß die Mehrheit der HamburgerInnen „Nein“ zur Trasse und „Tschüss Vattenfall“ sagt. Wer dann noch glaubt, daß diese HamburgerInnen es zulassen würden, daß die Moorburgtrasse gegen ihren Willen gebaut werden könnte, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.
Ergänzung:
Hier findest Du die Stellungnahme/Pressemitteilung von "unser Hamburg, unser Netz" zum Senatsmodell.
Hier findest Du die Stellungnahme/Pressemitteilung von "unser Hamburg, unser Netz" zum Senatsmodell.










